11. Oktober 2025 · Autor: Maximilian Peters
Vor dem Bürgerentscheid über Windkraft im Horber Stadtwald habe ich einen Leserbrief geschrieben, er ist am 8. Oktober 2025 im Schwarzwälder Boten erschienen. Er war kurz, deshalb erkläre ich hier, was ich damit meine.
Hier geht es um die Argumente, nicht um Stimmungsmache.
Mein Leserbrief
Bürgerbegehren, aber bitte richtig
In Horb und den Teilorten hängen Banner mit der Aufschrift „Waldschutz statt Windkraft“. Viele Menschen reagieren darauf mit Sorge – schließlich liebt hier fast jeder unseren Wald. Auch ich finde, dass er unbedingt geschützt werden muss.
Wenn man genauer hinschaut, geht es beim anstehenden Bürgerentscheid gar nicht darum, ob unsere Wälder grundsätzlich für Windräder geopfert werden sollen. Die Frage lautet schlicht: „Sollen städtische Waldflächen für Windkraftprojekte zur Verfügung gestellt werden – ja oder nein?“
Das heißt: Es geht nur um kommunale Flächen. Private Waldbesitzer könnten unabhängig davon weiterhin Windräder aufstellen. Der Unterschied wäre nur, dass die Einnahmen dann in private Taschen fließen – und nicht der Stadt zugutekommen.
Ich finde es schade, dass manche Plakate das Thema sehr zugespitzt darstellen. Die Sorge um die Natur ist berechtigt, aber wir sollten auch ehrlich über die Fakten sprechen. Erneuerbare Energien werden in Zukunft immer wichtiger, da fossile Energiequellen zu Ende gehen. Wenn wir selbst mitgestalten, wo und wie Windkraft entsteht, behalten wir die Kontrolle – und sichern uns langfristig mehr Unabhängigkeit.
Auch unser Wald kann profitieren: Wenn irgendwo ein Windrad entsteht, muss der Betreiber für Ausgleichsflächen sorgen. Viele Gemeinden nutzen das, um ihren Wald klimastabiler zu gestalten. Neue Bäume, gesunde Mischwälder und zusätzliche Einnahmen – das kann eine Chance sein, kein Verlust.
Wenn wir pauschal Nein sagen, schaden wir uns am Ende selbst – die Windräder könnten trotzdem kommen, nur eben auf privaten Flächen, und die Stadt hätte nichts davon. Am 30. November geht es nicht um ein Entweder-oder, sondern darum, beides zu vereinen – den Schutz unserer Wälder und den Ausbau der Erneuerbaren.
Ich hoffe, dass wir diese Entscheidung mit Weitblick treffen und dabei das große Ganze im Blick behalten.
Was ich damit meine
Die wichtigsten Punkte der Reihe nach:
Der Wald ist uns allen wichtig
Damit habe ich den Brief bewusst begonnen. Wer gegen Windräder im Wald ist, hat dafür meist einen guten Grund: Er liebt den Wald und will ihn nicht verlieren. Das nehme ich ernst, und ich teile das Ziel. Gestritten wurde nicht darüber, ob der Wald geschützt werden soll, sondern ob die Stadt Flächen für Windkraft zur Verfügung stellt.
Die Frage war enger, als die Banner vermuten ließen
Auf den Bannern stand „Waldschutz statt Windkraft“. Das klingt nach einer Entscheidung für oder gegen Windkraft im ganzen Wald. Abgestimmt wurde aber nur über städtische Waldflächen. Das wollte ich klarstellen. Wer abstimmt, soll wissen, worüber er entscheidet, auch wenn er am Ende anders stimmt als ich.
Warum die Eigentumsfrage wichtig ist
Mein Argument im Brief: Private Waldbesitzer können unabhängig vom Ergebnis eigene Flächen für Windkraft anbieten. Wenn die Stadt ihre Flächen nicht zur Verfügung stellt, fließen mögliche Einnahmen in private Hände und nicht in die Stadtkasse. Das ist die Folge, die ich im Brief beschrieben habe. Mir ging es nicht ums Überreden, sondern darum, dass die Folgen auf dem Tisch liegen.
Mitgestalten statt zuschauen
Ich habe geschrieben: Wenn wir selbst mitgestalten, wo und wie Windkraft entsteht, behalten wir die Kontrolle. Eine Stadt, die Flächen besitzt, kann Bedingungen stellen und mitreden. Eine Stadt, die nur zuschaut, kann das kaum. Dazu kommt: Energie wird auch in Horb gebraucht, und je mehr wir selbst vor Ort erzeugen, desto unabhängiger sind wir.
Ausgleichsflächen und Einnahmen für den Wald
Wenn ein Windrad gebaut wird, muss der Betreiber ausgleichen, was dadurch verloren geht, zum Beispiel mit Ausgleichsflächen. Ich habe im Brief geschrieben, dass viele Gemeinden diese Mittel nutzen, um ihren Wald klimastabiler zu machen: mit neuen Bäumen und gesunden Mischwäldern. Dazu kämen Einnahmen für die Stadt. Für mich ist das eine Chance für den Wald, wenn man es gut macht, und kein Widerspruch zum Waldschutz.
Warum ich vor einem pauschalen Nein gewarnt habe
Mein Schlusssatz im Brief war: Es geht nicht um ein Entweder-oder, sondern darum, beides zu vereinen. Man muss sich nicht zwischen Wald und Erneuerbaren entscheiden, das war mein Punkt. Ein Nein ist ein legitimes Ergebnis. Ich habe nur davor gewarnt, dass es Folgen hat, die man sich vorher anschauen sollte.
Was ich damit nicht gemeint habe
Ich habe niemandem unterstellt, aus schlechten Motiven gegen Windkraft zu sein. Auch das Wort „zugespitzt“ im Brief war kein Vorwurf an eine Person. Ich finde es nur schade, wenn in einer wichtigen Frage ein Satz auf einem Banner den Platz für Argumente ersetzt. Das gilt für alle Seiten, auch für uns bei Horber Rückenwind. Mit den Menschen, die anders abstimmen werden, möchte ich im Gespräch bleiben. Und für alle, die in der Debatte laut werden, gilt: in der Sache streiten, im Ton respektvoll bleiben.
Was ich daraus mitnehme
Der Brief ist ein Versuch, die Debatte zu versachlichen. Mir ist wichtig, dass alle bis zum 30. November sachlich diskutieren und dann abstimmen, egal wie. Sachliche Argumente kommen besser an, wenn man zuerst zuhört.
Siehst du das anders? Dann schreib mir. Du erreichst mich hier.
Quelle: Eigener Leserbrief, Schwarzwälder Bote, 8. Oktober 2025.